hubert blanz

Landgang
Videoanimation, 2K, 16:9 Format, 9:35 min, Hubert Blanz, 2009


Projektbeschreibung

Hubert Blanz beschäftigt sich in seiner Arbeit Landgang mit den Stationen von Charles Darwins Weltumsegelung an Bord der HMS Beagle von 1831 bis 1836. Das Schiff unternahm Vermessungsfahrten für die Royal Navy und wurde vor allem deswegen bekannt, weil Charles Darwin an der Expedition teilnahm. Mit einer Geodaten-Software unternimmt Blanz eine virtuelle Reise und besucht diese Stationen chronologisch.

Gleichkommend einer mikroskopischen Betrachtung tastet er die globale Oberfläche ab und dokumentiert dies anhand zahlreicher Screenshots. Durch die als Bildabfolge entwickelte Animation nimmt Blanz die Betrachter mit auf seine vom Satelliten ausgehende Entdeckungsreise im Jahr 2009 und folgt dabei gleichzeitig den Spuren Darwins im 19. Jahrhundert.




Landgänge – Vermessung der Divergenz

Annette Südbeck

Am 27. Dezember 1831 besteigt der zweiundzwanzigjährige Charles Darwin im Hafen von Davenport die HMS Beagle, um in den kommenden fünf Jahren ein außergewöhnliches Ausmaß an Informationen über die Vielfalt der Fauna und Flora der Welt zu sammeln. Im Anschluss lebt er Jahrzehnte lang zurückgezogen, um nachzudenken, das Gesammelte zu ordnen und durch Forschungsberichte und eigene Nachforschungen zu ergänzen, bevor er schlussendlich – und dies auch nur unter dem großen Druck, dass ihm womöglich sein Kontrahent Alfred Russel Wallace mit ähnlichen Schlussfolgerungen zuvorkommen könnte –, im Jahr 1859 sein umfassendes Hauptwerk Über die Entstehung der Arten veröffentlicht. Noch einmal 150 Jahre später vollzieht Hubert Blanz die Reiseroute des berühmten Wissenschaftlers mit Hilfe einer Geodaten-Software nach. Sein Animationsfilm Landgang besteht aus einer Reihe von übereinandergelegten Satellitenbildern, welche die leuchtend blauen Wellenkämme der Ozeane, steinige Felsformationen, verschlungene Flussläufe durch saftige Wiesen und weiße Eislandschaften zeigen. Auch wenn die Koordinaten der 24 ausgewählten Stationen mit jenen der historischen Reise übereinstimmen, wirft Blanz doch einen gänzlich anderen Blick auf die Welt. Auf seiner virtuellen Entdeckungsreise nähert er sich ihrer bizarren Schönheit vom Weltall aus. Mit dem zoomenden Blick von oben auf die Erdoberfläche sind eine Reihe von Verschiebungen in der Wahrnehmung verbunden: An die Stelle der Begegnung auf Augenhöhe bei Darwin tritt bei Blanz die Perspektive des Überblicks, an die Stelle der Erfahrungen vor Ort mit ihren körperlichen Strapazen und den Gefahren des Unbekannten treten die gesicherte Position eines warmen Arbeitsraums und die Zugänglichkeit zur Welt über Google Earth und an die Stelle der händisch zu Papier gebrachten Beobachtungen treten durch Satelliten technisch vorproduzierte, unendlich oft reproduzierte Bilder.


Abstract von Annette Südbeck aus: Landgänge In: Hubert Blanz – Auf der Suche nach den strahlenden Städten, ab S. 46, VfmK Verlag für moderne Kunst, 2022.
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