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hubert blanz
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Geospaces
C-Print auf Aluminium, Hubert Blanz, 2002
Geografische Raumfiguren
Wolfgang Fiel
Wie schon in der vorangegangenen Arbeit mit dem Titel Digital Surroundings und der Serie Digital City beginnt Blanz die Untersuchung und Annäherung an geografische Raumfiguren mit der Wahl des Arbeitsmaterials. Im
gegebenen Fall handelt es sich dabei um eine Bandbreite von Leiterplatten, d.h.
mit Schaltkreisen ausgestattete Trägerelemente für die Bestückung mit elektronischen Bauteilen.
Blanz verfolgt dabei eine doppelbödige Strategie. Er arbeitet nicht, wie vielleicht angenommen werden könnte, auf einer rein kompositorischen oder metaphorischen Ebene eines
angestrebten Gesamteindrucks, sondern nach dem Prinzip der Singularität, d.h. der Einzigartigkeit vorhandener Merkmale des Rohmaterials. Im Verzicht
auf die der Sprache zugrunde liegende Dualität von Bezeichnendem und Bezeichnetem, d.h. der Bedeutung, die sich hinter der
objektiv sichtbaren Erscheinung des Betrachtungsgegenstands verbirgt und damit
von dieser zu unterscheiden ist, orientiert sich Blanz vorerst ausschließlich an jenen Qualitäten, die sich der unmittelbaren und ‘reinen’ Wahrnehmung erschließen. Charakteristische Eigenschaften der Leiterplatten wie Materialität, spezifische Farbigkeit, Schichtaufbau, Lochungsbild, Elementdicke und die
damit verbundene Schattenbildung bei kontrollierten Lichtverhältnissen, Haptik und Gesamtplastizität sowie die Textur des Leiterbahnengewebes verdichten sich beim additiven
Vorgang des Zueinanderfügens der Einzelelemente zum Eindruck gewachsener räumlicher Struktur.
Auf einer zweiten Ebene dient Blanz das Rohmaterial zur bewussten Steuerung
assoziativer Zusammenhänge zwischen der diesem Gefüge inhärent strukturell-räumlichen Qualität und den dem Blick von oben eigenen und allgemein bekannten Repräsentationsformen, die etwa bei der fotografischen Dokumentation von Stadt- und
Landschaftsräumen aus großer Distanz mittels spezieller, in Erdumlaufbahn befindlicher Satelliten
entstehen. Dieser Eindruck wird mit der Angabe des Darstellungsmaßstabs untermauert, der gemeinsam mit dem Titel der Serie das jeweilige
Einzelbild bezeichnet. Dass sich, wie Blanz angibt, bei ihm mit Fortdauer des Fügevorgangs durch die angestrebte Kontinuität von Textur und Figur in Fläche und Raum ein Gefühl physischen und psychischen Involviertseins einstellt, hängt nicht zuletzt mit einer gewissen Ähnlichkeit seiner Vorgangsweise und der des Städteplaners zusammen. Stadtplanung erfolgt nicht nur nach ‘formalen’ Überlegungen, wie beispielsweise der Wahl von Bebauungsformen, Verkehrs- und
Erschließungssystemen, etc., sondern ist (oder sollte) darüber hinaus danach bestrebt (sein), funktionale und wahrnehmungsmäßige Kriterien individueller und kollektiver Stadtaneignung in ein ausgewogenes
qualitatives Verhältnis zu setzen, wodurch – bewusst oder unbewusst – Aspekte subjektiver ‘Weltanschauung’ in die Planung mit einfließen. Die Geospaces strahlen eine angenehme Ausgewogenheit dieser
Planungsparameter aus, womit die Arbeit weder zu nahe an reale Gegebenheiten
und deren abbildhafte Repräsentation rückt, noch die rohen und unmittelbaren Qualitäten des Ausgangsmaterials allzu offensichtlich zur Schau gestellt werden. Es
handelt sich um eine Art Schwebezustand, dessen Indifferenz durch den Umstand
untermauert wird, dass das mit den Darstellungsausschnitten korrelierende
Bildformat die Bildinhalte weder begrenzt noch ein vollständiges Erfassen im Sinne kohärenter Selbstreferentialität möglich macht. Die BetrachterIn macht also dort weiter, wo Blanz angefangen hat:
Die Fäden des strukturbildenden Gewebes werden aufgenommen und weitergeknüpft.
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