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hubert blanz
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Aigner, Claudia: Elektrosmog macht Musik.
Galerie Lindner: "Palmen und Platinen" In: Wiener
Zeitung online, Wien, 02.10.2000
Galerie Lindner: "Palmen und
Platinen"
Elektrosmog macht Musik
Von Claudia Aigner
Eines vorweg: Platinen sind nicht jene
Zeitgenossinnen (quasi im Blondinenwitz-Jargon), denen so ganz
besonders blonde, nämlich platinblonde Haare aus dem Hirn
wachsen. Platinen sind selbstverständlich jene dünnen
Platten, auf denen die elektronischen Bauteile befestigt
werden. Folglich tragen Platinen auch keine Bikinis, und wenn
eine Ausstellung "Palmen und Platinen" heißt
(bis 6. Oktober in der Galerie Lindner, Schmalzhofgasse 13),
dann hat das nichts mit Wasserstoffperoxyd am Strand zu tun.
Schon mehr damit, wie man den Computer auf diametral
entgegengesetzte Weisen benutzen kann.
Die heile Welt ist eine Oase in der
Sandwüste: Doris Krüger hantiert am Computer mit
alten Fotos so lange herum, bis sie unüberbietbare
Palmenidyllen abseits der Zivilisation vor sich hat, also
abseits des Internet-Anschlusses und der Handy-Sendemasten.
Lauter kleine Gärten Eden sozusagen, noch bevor Adam und
Eva die Chance bekommen haben, Abfall oder einen Anflug von
Zivilisation zu produzieren (einfach weil sie da noch gar nicht
auf der Welt sind). Wenn Krüger saubere, geradezu
keimfreie Landschaften bastelt, wie sie sowieso nirgends
vorkommen, sondern bestenfalls noch in der einen oder anderen
Fata Morgana, und also die vorgefundene Natur
"verbessert", tut sie im Grunde nichts anderes als
die Lebensmittelbranche, die in den Käse gern einen
künstlichen gelben Farbstoff hineinrührt, damit das
Naturprodukt noch "natürlicher"
aussieht.Krügers technisch perfekte Idyllen sind also gar
nicht so harmlos naiv, sondern auf gekonnt hintergründige
Weise zeitgemäß. Wie verlogen ist der Computer?
Während der Computer Doris
Krügers Komplize bei der Stadtflucht ist, macht sich Hubert Blanz eher an seine Hardware heran. Und
baut aus den Chips und anderen elektronischen Teilen eine sehr
glaubwürdige Großstadt im Modellformat zusammen. Das
globale Dorf ist eine Metropole mit einem Grundriss von 9 m?.
Im dicht verbauten Gebiet glaubt man futuristische,
hypermoderne Architekturen zu entdecken, aber da und dort auch
so etwas wie Gemeindebauten, und zwischendurch blitzen im
Stadtbild klassizistische Tempel auf. Es ist mindestens
originell, für die Informationsgesellschaft eine
"digital city" aus den für die
Datenübertragung unabdingbaren Bestandteilen zu errichten.
Einen kongenialen Sound hat das dazugehörige Video, das
Impressionen aus der "digitalen Stadt" zeigt. Klingt
wie hörbar gemachter Elektrosmog. Kurz:
Informationsgesellschaftsmusik.
Erschienen am: 02.10.2000
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