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hubert blanz
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Aigner, Claudia: Eine
punschkrapferlrosige Zeit? Volpinum: "Sieben" -
Arbeiten von sieben jungen KünstlerInnen In: Wiener
Zeitung online, Wien, 07.01.2002
Volpinum: "Sieben" - Arbeiten von
sieben jungen KünstlerInnen
Eine punschkrapferlrosige Zeit?
Von Claudia Aigner
Schneewittchen ist die Hausfrau der sieben
Zwerge, aber auch wenn im Volpinum (Theresiengasse 25-27) einer
in ein Punschkrapferl beißt, ist Stefan Rothleitner
trotzdem nicht der Kurator der sieben Todsünden. Denn ein
Puschkrapferl macht noch keine Todsünde (keine
Völlerei). Und der Ausstellungstitel "Sieben"
(wie: sieben Geißlein) ist schlicht das Ergebnis einer
"Volkszählung mit dem Zeigefinger". Bis 9.
Februar 2002 hängen hier nämlich sieben ziemlich
frische Künstler.
"Engel brauchen keine
Krankenversicherung." Natürlich, wo doch Engel im
medizinischen Sinne klinisch tot sind, sprich: ihren
Hauptwohnsitz im Jenseits haben. Wenn nun aber in einem gleich
betitelten Video Sabine Jelinek in einem 14. Stockwerk in New
York leichtsinnig (oder: diesseitsmüde) auf einem
Balkongeländer sitzt, macht das den Betrachter schon
nervös. Weil Jelinek ja im Moment in etwa die Aerodynamik
einer tiefgekühlten Hendlbrust hat und weil für den
freien Fall von Sterblichen gilt: Je höher, desto tot. Es
passiert aber trotzdem keine plötzliche
Gleichgewichtskatastrophe. Das gelungen
"fahrlässige" Video ist vielleicht ein
ironischer Seitenhieb auf das Land der "Weltmeister im
Versichern und Verklagen" (man wundert sich ja
mittlerweile, wieso sich noch kein Amerikaner gegen
"Schutzengel-Ausfälle" versichern ließ).
Wo die Bits und Bytes daheim sind: Hubert
Blanz hat aus Computerchips (die aussehen können wie das
Lincoln Memorial) und aus anderen elektronischen Bauteilen
etwas zusammengebastelt, was allen Ansprüchen einer
Großstadt absolut gerecht wird. (Erstaunlich.) Und hat im
dazugehörenden Video auch noch einen überzeugenden
Hubschrauberüberflug simuliert. Man kann sich vorstellen,
dass hier irgendwo Lara Croft mit ihren beiden
"Megabytes" bei der digitalen Männerwelt den
digitalen Adrenalinspiegel anhebt oder dass der Allesfresser
Pac-Man für die Straßenreinigung zuständig ist
(und sicher auch mit dem Pferdeäpfelproblem der Wiener
Fiaker fertig würde, wenn die Pferdeäpfel virtuell
wären). Und Bill Gates ist wahrscheinlich der
größte Immobilienmakler in "Digital City".
Kurz: Die Welt ist eine globale Computerplatine. Der Vergleich mit Jutta Strohmaiers
Manhattan-Ansicht von oben macht einen sicher. (Seit dem 11.
September, seit also das Schwenken eines Flugtickets in der
Öffentlichkeit fast schon eine Drohgebärde ist, ist
das ja nicht mehr die Vogelperspektive, sondern die
"Terroristenperspektive".)
Interessant auch die Weiterentwicklung von
Peter Niedertscheider. Hat in seinen disziplinierten
Zeichnungen das "Zusammenleben" von Männern und
Frauen früher noch einen klar definierten Sinn ergeben
(nämlich einen Text, der nach dem binären ASCII-Code
verschlüsselt war, wobei der Mann für den sehnigen,
"potenten" Einser stand und die Frau für die
Null), so machen die Männer und Frauen jetzt von ihrer
Freizügigkeit - und ihrer Sinnlosigkeit - Gebrauch (noch
radikaler als die Buchstaben in der Buchstabensuppe). Und sind
nach abstrakten Kriterien geordnet.
Endlich das Punschkrapferl (das aber erst
ab, sagen wir, sieben Stück eine Todsünde ist): In
Christoph Schmidbergers heiler Welt der altmeisterlichen
Perfektion, wo Leute, die eine glatte Haut wie polierte
Schaufensterpuppen haben, eine schadstofffreie (und
atmosphärelose) Luft atmen (und trotzdem nicht ersticken),
regiert das Punschkrapferlrosa. Und geschickt schaltet dieser
Perfektionist in seinen Bildern zwischen pedantischer Exaktheit
(die jede Realität übertrifft) und schlampig
abstrakten Stellen hin und her. Der Glaube an das goldene (oder:
punschkrapferlrosige) Zeitalter ist eine lässliche
Sünde.
Erschienen am: 07.01.2002
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