|
|
||||||
|
hubert blanz
|
|
|||||
|
|
||||||
|
|
||||||
|
frigolite
elemente
Lambdaprint auf Aluminium,
Tryptichon, jeweils 250 x 85 cm oder 150 x 42,5 cm, Hubert Blanz, 2004
`Magie des Augen-Blicks´
Wirklichkeit - die sogenannte
Realität - ist das individuelle Konstrukt selektiver
Wahrnehmung. Verbleiben deren Gegenstände in ihren
codierten Bedeutungszusammenhängen erregen sie zumeist
wenig Aufsehen. Die normative Kraft des Alltäglichen und
Gewöhnlichen vermittelt einerseits ein Gefühl von
Sicherheit und andererseits den referenziellen Hintergrund
für eine klassifizierende Abgrenzung gegenüber jenen
Phänomenen, die sich einer unmittelbaren Einordnung
entziehen.
Die schiere Präsenz des
Materials, das seiner eingeschriebenen semantischen Codierung
entledigt wird, eröffnet dem Betrachter neue
Projektionsräume für die reale Konstruktion von
assoziativen Szenarien, ohne dabei notwendigerweise auf
gewohnte phänomenologische Erkenntnismuster verzichten zu
müssen.
In diesem Sinne greift Blanz auf ein
Motiv moderner Stadtplanung zurück, die mit ihrem
dualistischen Dispositiv der verdichteten Skyline vor dem
Prospekt eines mehr oder weniger unberührten
Landschaftsraums der Utopie einer menschengerechten Balance
zwischen Stadt und Natur entspricht. Ausgangsmaterial für
die Konstruktion entsprechender Szenarien ist dabei diverses
Verpackungsmaterial aus extrudiertem Polystyrol (`Frigolite
Elemente´), das aus allen möglichen Perspektiven
photografisch erfasst und anschließend im Simulationsraum
eines fiktiven Akteurs montiert wird. Dieser blickt wie in den
Abbildungen Le Corbusiers (1) aus einem leicht
überhöhten und neutralen Standpunkt gegen die Skyline
einer Stadt, die sich beispielsweise aus dem spezifischen
Erscheinungsbild einer ondulierenden Wasseroberfläche oder
dem ausgetrockneten aschgrauen Boden einer Tongrube erhebt
(Verortung mittels Angabe der entsprechenden Höhen- und
Breitengrade). Trotz der minutiösen Komposition des
Wechselspiels unterschiedlicher Volumen und dem Grad ihrer
plastischen Ausprägung entsteht das Paradox, dass die
Übergänge zwischen Grund und Körper in
pittoresker Weise diffus erscheinen und sich damit die
Entstehungsgesetze des Bildraums einer unmittelbaren
Entschlüsselung entziehen. Die Ergebnisse assoziieren
dabei die apokalyptische Befindlichkeit einer den ozeanischen
Fluten einer Lagunenstadt oder dem terrestrischen Sturm einer
Mondkolonie ausgesetzten Ansiedlung, deren Bewohner bereits
verschwunden sind. Das Artifizielle wird sukzessive vom Umraum
überformt; das repetitiv Serielle wird zur
Multiplizität des Differenziellen.
„In dem Moment, wo ich glaube,
eine magische Erfahrung erklären zu können, bleibt
das Problem bestehen; denn ich erkläre nicht die magische
Erfahrung, sondern nur irgendein Gebilde, welches vielleicht
dazu führen könnte, diese magische Erfahrung zu
haben.” (2)
(1) Eine Stadt der Gegenwart in `Le
Corbusier, Der Städtebau´, S. 201-207, Deutsche
Verlags-Anstalt, Stuttgart, 1979.
(2) Zitat Heinz von Foerster in
`Teil der Welt´, S. 33, Carl-Auer-Systeme Verlag,
Heidelberg, 2002.
Wolfgang Fiel, Wien 2004.
|
|
|||||
|
|
||||||
|
|
||||||
|
|
|
|
|
|
|
|