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hubert blanz
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Geospaces
C-Print auf Aluminium, 126 x 126 cm,
2002
Wie schon in den beiden
vorangegangenen Arbeiten mit dem Titel ´digital
surroundings´ und der Serie ´digital city´
beginnt Blanz die Untersuchung und Annäherung an
geografische Raumfiguren (Geospaces) mit der Wahl des
Arbeitsmaterials. Im aktuellen Fall handelt es sich dabei um
eine Bandbreite von Leiterplatten, mit Schaltkreisen
ausgestattete Trägerelemente für die Bestückung
mit elektronischen Bauteilen.
Blanz verfolgt dabei eine
doppelgründige Strategie. Ausgangs arbeitet er dabei nicht
wie vielleicht angenommen werden könnte auf einer
metaphorischen oder rein kompositorischen Ebene assoziativer
Similarität mit allgemein bekannten Wahrnehmungsmustern,
sondern entsprechend dem Prinzip der Singularität, d.h.
Einzigartigkeit, direkt am Rohmaterial. Im Verzicht auf die dem
Konzept der Dualität zugrundeliegende Bedeutung oder
Kodifizierung, die sich hinter der objektiv sichtbaren
Erscheinung des Betrachtungsgegenstands verbirgt orientiert
sich Blanz ausschließlich an jenen Qualitäten, die
sich der unmittelbaren und ´reinen´ Wahrnehmung
erschliessen. Wichtige Merkmale hinsichtlich dem
Ausgangsmaterial sind dabei Schichtaufbau, Materialität
und dessen Farbigkeit, Lochungsbild, Elementdicke und damit
verbundene Schattenbildung bei kontrollierten
Lichtverhältnissen, Haptik und Gesamtplastizität
sowie Textur des Leiterbahnengewebes, die in ihrer Gesamtheit
beim Vorgang des sukzessiven Zueinanderfügens der
Einzelelemente dem Gefüge zum Eindruck eines
räumlichen Gewebes verhelfen.
Auf der anderen Seite dient Blanz
das Rohmaterial zur Evozierung assoziativer Zusammenhänge
zwischen der diesem Gefüge inhärenten strukturell -
räumlichen Qualität und den dem Blick von oben
eigenen Wahrnehmungsmustern wie sie etwa bei der fotografischen
Dokumentation von Stadt- und Landschaftsräumen aus
großer Distanz mittels speziellen in Erdumlaufbahn
befindlichen Satelliten entstehen. Diese Assoziation wird mit
der Angabe des Darstellungsmaßstabs untermauert, der
gemeinsam mit dem Titel der Serie das jeweilige Einzelbild
bezeichnet. Dass sich mit Fortdauer des Fügevorgangs durch
die angestrebte Kontinuität von Texturen und Figuren in
Raum und Fläche beim agierenden Subjekt ein Gefühl
physischer und psychischer Integriertheit einstellt, hängt
nicht zuletzt mit einer gewissen Ähnlichkeit zur
Vorgangsweise eines Städteplaners zusammen, der einerseits
- vorallem in großen Maßstäben - nach
kompositorischen Überlegungen vorgeht, im Wesentlichen
aber danach bestrebt ist, die Ebenen funktionaler, erlebens-
und wahrnehmungsmäßiger Stadtaneignung in ein
ausgewogenes qualitatives Verhältinis zu setzen und damit
bewusst oder unbewusst Aspekte subjektiver
´Weltanschauung´ in die Planung miteinfließen
lässt. Trotz dem Umstand des künstlichen Generierens
nach dem ´Instant-Prinzip´ strahlen die
´Geospaces´ eine angenehme Balance der oben
beschriebenen Entstehungskriterien aus, die diese Arbeit weder
zu nahe an reale Gegebenheiten und deren abbildhafte
Repräsentation rücken noch die rohen und
unmittelbaren Qualitäten des Ausgangsmaterials allzu
offensichtlich zur Schau stellen. Es handelt sich also um eine
Art Schwebezustand, dessen Indifferenz durch den Umstand
untermauert wird, dass das gewählte Bildformat in
Korrelation mit den Darstellungsausschnitten die Bildinhalte
weder begrenzen noch in kohärenter
Selbstreferentialität ein vollständiges Erfassen
möglich machen. Der Betrachter macht also dort weiter wo
Blanz angefangen hat: Die Fäden des strukturbildenden
Gewebes werden aufgenommen und weitergeknüpft.
Wolfgang Fiel, Wien 2002.
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