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hubert blanz
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digital
surroundings
Audio-/Videoinstallation, 11:14 min,
Hubert Blanz, 2001
Die Analogie ist nachvollziehbar,
das erzielte Ergebnis verblüffend: In seiner Arbeit mit
dem Titel “digital surroundings” assembliert Hubert
Blanz eine Anzahl ausrangierter und bestückter
CPU-Platinen patchworkartig zu einem “Teppich”,
dessen Gewebe durch die vielgestaltigen Bauformen der auf die
Trägerplatinen gelöteten Elektronikbauteile über
ausgeprägte und differenzierte plastische Qualitäten
verfügt. Dieses Gewebe dient Blanz im wahrsten Sinne des
Wortes als Hardware für eine räumlich-assoziative
Annäherung.
Die Analogie entsteht durch die
Interpretation der assemblierten Konfiguration als
stadträumliches Gefüge, als Morphologie einer
gewachsenen Stadtlandschaft.
Um diese Stadtlandschaft
wahrnehmungsmäßig zu erschließen, versetzt
Blanz den Betrachter in die Perspektive eines
Helicopterpassagiers, der über das artifizielle
Gefüge fliegend von jenem Gefühl durchdrungen wird,
das Christoph Asendorf in seinem Buch “Super
Constellation” als Raumrevolution beschrieben hat, die
ausgelöst durch Luft- und Raumfahrt seit Beginn des 20.
Jahrhunderts unsere Sehgewohnheiten radikal verändert hat.
“Super Constellation” ist der Name für die
legendären Lang-streckenmaschinen der Firma Lockheed, die
bis Ende der 50er Jahre die Zivilluftfahrt prägten und
für Asendorf stellvertretend für die gesamte Epoche
der Luft- und Raumfahrt ein Begriffsfeld definiert, das sich
erst mit dem Blick aus den Fenstern eines Flugzeugs
konstituierte. Was sich zuerst als finale Neu-Kartographierung
der Welt durch das virtuelle Netzwerk der Fluglinien
abzuzeichnen schien, ist mittlerweile mit dem Word Wide Web um
die Dimension eines weiteren globalen Netzwerks erweitert
worden, das nicht nur unsere Sehgewohnheiten und
Raumwahrnehmung sondern darüber hinaus nachhaltig und
global das Erscheinungsbild gebauter Stadtlandschaft
determiniert und somit nicht ausschließlich rein
virtueller Natur ist. Um dieses Leitmotiv zu thematisieren und
visuell am Objekt festzumachen, befreit Blanz die operative
Entität des einzelnen Elektronikbauteils vom funktionalen
Kontext, steigert dessen physische Präsenz mit einem
Maßstabssprung und vermittelt damit dem Betrachter die
verblüffend echt erscheinende Illusion real existierender
Stadtlandschaft.
Dass es sich bei der
positivistischen Idylle des totalen Überblicks und dem
damit verbundenen Anspruch umfassender Kontrolle um eine
Selbsttäuschung handeln könnte, vermittelt uns die
Präsenz des dem visuellen Flug-Ereignis unterlegten
Sound-Environments, das getragen vom Modulationen unterworfenen
und für Helicopter typischen Rotorengeräusch, ein
Gefühl des Ausgesetztseins generiert; einer Bodenlosigkeit
mit den Folgen psycho-sozialer Destabilisierung.
Die Präzision des realen
Ereignisses und dessen Simulation müssen nicht
zwangsläufig einen plumpen Realismus zur Folge haben.
“digital surroundings” verfügt auch über
eine metaphysische Dimension. Fehler im System sind
vorprogrammiert.
Wolfgang Fiel.
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